Neues Leben in alten Häusern


In einer Zeit des Neuen, in der das Alte obsolet geworden ist, gibt es dennoch Häuser, die nach den Maßstäben der Wegwerfgesellschaft uralt sind und dennoch als Lebensorte geschätzt werden. Was bringt Menschen dazu, gegen den Zeitgeist das Alte zu suchen und anzunehmen wie es ist, oder so behutsam zu verändern, dass das Alte sich nicht als Neu verkleidet?

 

Alte Häuser rechen anders, jedes ganz typisch, individuell einprägsam und unverwechselbar. Da sind die ursprünglichen Baustoffe wie Stein, Holz, Lehm und Kalk, die schon seit Jahrtausenden im Einsatz sind. Es sind Geräusche wie das knarren eins Fußbodens, der aus breiten, massiven Pfosten gefügt ist oder das satte Einrasten eines alten, geschmiedeten Türschlosses. Nicht jeder Raum ist lichtdurchflutet, man findet Ecken und Nischen in die man sich zurückziehen und manchmal auch verstecken kann.

 

Die Annäherung und letztlich die Eroberung eines alten Hauses braucht Zeit und Sorgsamkeit. Es gilt, wenn man einzieht, möglichst wenige Räume zu bewohnen und sich mit dem alten Haus erst langsam vertraut zu machen und erst dann Raum für Raum herzurichten. Dabei lernt man, nicht die eignen Vorstellungen, die von Moden beeinflusst sind und sich schnell ändern können, dem alten Haus aufzuzwingen sondern sich vom Bestehenden inspirieren und leiten zu lassen. So wächst die Adaptierung in der Wechselwirkung zwischen Anspruch und Möglichkeiten und dabei finden das alte Haus und seine neuen Bewohner für eine langjährige Verbundenheit zusammen.

 

Das alte Haus gleicht einem Behältnis in dem sich Geschichten zu Geschichte verdichten. Über Generationen wurden diese alten Häuser von Menschen geformt und formten im Gegenzug auch die Menschen die sie bewohnten und immer noch bewohnen. Im Alter treten bestimmte Charakterzüge stärker hervor, auch bei Häusern. Sie besitzen Eigenart und Eigenwillen die erst im Laufe der Zeit gewachsen sind. Gewiss: ein altes Haus ist nicht immer einfach und fordert Achtsamkeit im Umgang.

 

Jene alten Häuser die noch stehen und die weiter bewohnt werden, sind eine positive Auslese; es sind die Besten, es sind diejenigen die eine harten Evolutionsprozess überstanden haben, diejenigen die übrig geblieben sind. Diese Häuser haben sich bestmöglich angepasst: nach innen und nach außen. Von außen haben oft über Jahrhunderte Wind und Wetter und einfach der Zahn der Zeit genagt, von innen wechselnde Bewohner die ihre individuellen, mit den Zeitgeist wechselnden Bedürfnisse zu verwirklichen suchten.

 

Das Ergebnis dieses Prozesses, ist mehr als ein Dach über den Kopf für wenige Jahre, kein Smart Building, das auf Knopfdruck funktioniert, aber auch kein Stupid Building, eher einfach und doch auf den zweiten Blick auch komplex, sicher aber verlässlich und beständig.