Luftbrunnen

Das historischen Belüftungssystems des Wiener Burgtheaters

Der höchste Dachpunkt des Wiener Burgtheaters wird von der Auslassöffnung des historischen Belüftungssystems, das immer noch in Funktion steht, eingenommen. Der Blasengel, ist in seiner technischen Funktion eine Windfahne, welche die Austrittsöffnung des Fortluftkanals selbstregulierend mit reiner Windenergie seit über 130 Jahren fortwährend ins Lee dreht.

 

Das gesamte Belüftungssystem, das in seinen wesentlichen Teilen unverändert erhalten geblieben ist, stellt vom Luftbrunnen bis zum Blasengel ein beeindruckendes Beispiel dar, wie Gebäudekonditionierung über einen langen Zeitraum hinweg energieeffizient bewerkstelligt werden kann. Die Zuluft sinkt im Volksgarten durch einen Luftbrunnen mit sechs Metern Durchmesser in das dritte Kellergeschoß. Dort führt ein einhundert Meter langer Zuluftkanal, wo die Zuluft durch Bodenenergie im Winter vorgewärmt, im Sommer hingegen abgekühlt wird, in die Lüftungszentrale. Durch ein hochkomplexes System aus Gängen, Schächten und Kammern wird die vorkonditionierte Luft nun weiter spezifisch nach Bedarf konditioniert und im gesamten Gebäude verteilt, letztendlich gesammelt und über Dach beim Blasengel ausgeleitet.

 

In der Diplomarbeit "Optimierung des historischen Belüftungssystems des Wiener Burgtheaters" wurde von einem Team der HTBLA Hallstatt unter der Leitung von Dr. Kain und Dr. Idam dieses Belüftungs-System aus dem 19. Jahrhundert analysiert. In der Methodik kamen neben einer Quellenrecherche bauphysikalische Versuchsreihen an Ort und Stelle zur Anwendung. Das Wiener Burgtheater wurde dabei vom dritten Kellergeschoß bis zum Dachboden mit Messsensoren verwanzt welche die Luftvolumenströme sowie die Luft- und Bauteiltemperaturen aufzeichneten. Aus der Interpretation der gewonnenen Daten wurden Vorschläge zur Optimierung des bestehenden Systems ausgearbeitet, wobei die außer Betrieb stehende Luftbefeuchtungsanlage aus der Errichtungszeit für die adiabatische Kühlung wieder eingesetzt werden sollte. Diese Vorschläge lassen eine verbesserte Gebäudekühlleistung bei geringen Zusatzenergiebedarf erwarten.

 

Um die gewonnenen Erkenntnisse den Mitarbeitern des Projektpartners, der "Bundestheater Holding" leicht zugänglich zu machen wurde im Rahmen dieser Diplomarbeit ein eigenes Enterprise-Wiki erstellt in das die gewonnen Erkenntnisse übersichtlich und leicht zugänglich eingepflegt wurden.